Willi Schneider (1907-1931)

Der kaufmännische Angestellte Willi Schneider war Mitglied der SPD und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Das 1924 auf Initiative der SPD gegründete Reichsbanner war eine überparteiliche Organisation zum Schutz der Weimarer Republik gegen deren rechts- und linksextremistische Feinde. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden viele ehemalige Funktionäre und Mitglieder des Reichsbanners systematisch verfolgt.

 

Doch schon vorher setzten Angehörige des Reichsbanners ihr Leben für den Bestand der Republik ein, wie im Fall von Willi Schneider, der in der Silvesternacht 1930 bei einem Übergriff der SA erschossen wurde. Der Vorfall ereignete sich in der Hufelandstraße, wo die Eltern des Ermordeten, Paul Schneider, Vorsitzender des Berliner Arbeiter-Sängerbundes, und seine Frau Anna ein Zigarrengeschäft betrieben. Ein zweiter Reichsbannermann, der Bankbeamte Herbert Graf, wurde bei dem nationalsozialistischen Überfall ebenfalls durch einen Schuss getötet.

 

Die Trauerkundgebung für Willi Schneider am 7. Januar 1931 im Saalbau Friedrichshain wurde zu einer republikanischen Massendemonstration. Bei der Trauerfeier sprach u.a. der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold Johannes Stelling. Er schloss seine Rede mit der Bemerkung, endlich Schluss mit dem Zustand zu machen, dass Menschen, die für ihre Ideale mit geistigen Waffen kämpfen, ermordet werden. (Johannes Stelling wurde während der Köpenicker Blutwoche im Juni 1933 von der SA nach grausamen Folterungen ermordet. Sein Grab ist in der Gedenkstätte der Sozialisten.) Der flüchtige Mörder von Willi Schneider, der SA-Sturmbannführer Rudi Becker, wurde erst Monate nach der Tat gefasst und verurteilt.

 

Auch nach 1933 suchten Sozialdemokraten das Grab des ermordeten republikanischen Freundes auf und legten in stummem Protest Blumen nieder. Am Wohnhaus von Willi Schneider (Hufelandstr. 39) erinnert seit 1957 eine Gedenktafel an den Ermordeten.

 

Zum Grabstein der Familie Schneider ist zu bemerken, dass es sich bei der Zeile am Sockel des Grabsteins um den Refrain des Liedes „Tord Foleson“ nach einer norwegischen Heldensaga handelt. Mittig zwischen den Worten angeordnet befindet sich das Emblem des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes (DAS), der 1933 aufgelöst wurde.

Willi Schneider


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